Friedrich Hölderlin

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Von Franz Karl Hiemer (1768-1822)http://www.zeno.org/Literatur/I/holdepor, Gemeinfrei, Link

Zitat

Die Linien des Lebens sind verschieden
Wie Wege sind, und wie der Berge Grenzen.
Was hier wir sind, kann dort ein Gott ergänzen
Mit Harmonien und ewigem Lohn und Frieden.

Friedrich Hölderlin

Die „Linien des Lebens“ gehören zu den frühen „Turmgedichten“, die Hölderlin im heute nach ihm benannten Turmgebäude des Schreinermeisters Ernst Zimmer am Tübinger Neckarufer schrieb. Der Schreiner hielt die Zeilen in einem Brief an Hölderlins Mutter Johanna Christiana Gok (geborene Heyn und verwitwete Hölderlin) vom 19. April 1812 fest.

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Von Felix KönigEigenes Werk, CC BY 3.0, Link

Zimmer schildert darin und später in einem Brief vom 22. Dezember 1835 die Situation, die dem Gedicht vorausging: Im Gespräch forderte Hölderlin den Schreiner auf, einen schön gezeichneten Tempel doch aus Holz zu fertigen. Zimmer entgegnete, er müsse für seinen Broterwerb sorgen und „sei nicht so glücklich, so in philosophischer Ruhe zu leben wie er“.

Hölderlin habe entgegnet, er – Hölderlin – sei „doch ein armer Mensch“. Auf Bitten Zimmers, ihm wieder etwas zu schreiben, habe Hölderlin nur das Fenster geöffnet, einen Blick ins Freie geworfen und in wenigen Minuten das Gedicht mit Bleistift auf ein Brett geschrieben.

Biographisches

Geboren am 20. März 1770 in Lauffen am Neckar wuchs der junge Friedrich Hölderlin nach dem frühen Tod des Vaters (1772) in Nürtingen auf. Die Mutter heiratete 1774 erneut, doch auch den zweiten Vater verlor Friedrich 1779. Er besuchte die Lateinschule in Nürtingen und die evangelischen Klosterschulen in Denkendorf und Maulbronn. Es folgte das für die damalige, pietistisch geprägte schwäbische „Ehrbarkeit“ obligatorische Theologiestudium am berühmten Tübinger Stift, wo Hölderlin unter anderem mit Friedrich Wilhelm Schelling und Georg Friedrich Wilhelm Hegel Freundschaft schloss. Nach Jahren als Hauslehrer und einer als „erfolglos“ abgebrochenen psychischen Zwangsbehandlung am Universitätsklinikum Tübingen lebte Hölderlin seit 1807 zurückgezogen im Turm der Familie Zimmer. Er starb am 7. Juni 1843 und ist auf dem Tübinger Stadtfriedhof begraben.

Ausgesucht und eingestellt von Katrin von Mengden-Breucker und Marius Breucker